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Patrick Mayrhofer verletzte sich bei der Snowboard-WM im Februar schwer. Erfahrung im Zurückkämpfen hat der 30-jährige Oberösterreicher, wie nicht nur seine bionische Armprothese zeigt.

Letzter Lauf am ersten Trainingstag bei der WM im Snowboardcross im kanadischen Big White. „Ein Sprung ging zu weit ins Flache und ich konnte ihn nur mehr mit dem linken Bein abfangen“, erzählt Patrick Mayrhofer zwei Wochen nach seinem brutalen Sturz. Diagnose: Bruch des Schienbeinkopfes. „Mein Knie ist noch komplett steif, ich kann auch den Vorfuß noch nicht bewegen. Das wird ein weiter Weg, bis ich wieder gehen kann – ganz zu schweigen vom Snowboarden.“ Und die Paralympics 2018? „Ein Jahr ist bei einer solchen Verletzung sehr wenig Zeit.“

Sport als Motivation

Doch schon einmal war der Sport für den gebürtigen Mühlviertler Triebfeder und Motivation. Vor neun Jahren wurde der gelernte Elektriker durch einen Stromschlag lebensgefährlich verletzt. „Die rechte Hand wurde gerettet, von der linken blieb ein lebloser Stumpf mit drei Fingern“, berichtet Mayrhofer. Besonders genagt habe er am Anfang daran, dass sich der Arbeitskollege, der den Unfall verschuldet hat, nie persönlich entschuldigt hat. „Aber ich weiß, dass das nur eine Schutzfunktion seinerseits ist.“ Für Mayrhofer bestand das erste Jahr nach dem Unfall nur aus Operationen und Reha. Danach folgte der Wiedereinstieg im Beruf, allerdings im Büro und nicht mehr auf der Baustelle. Erst seine Freundin ermutigte ihn, sportlich wieder aktiv zu werden. Bei der Integra 2012, der größten Fachmesse für Pflege, Therapie und Rehabilitation in Wels, erkundigte er sich beim Stand des ÖSV über das Snowboarden. Mittlerweile zählt er als Slalom-Weltmeister 2015 sowie Gesamtweltcupsieger 2014/15 und 2015/16 zu den Aushängeschildern.

Experte und Produkttrainer bei Weltmarktführer Ottobock

Bereits vor seinem Einstieg in den Sport hatte sich Mayrhofer intensiv mit bionischen bzw. myoelektrischen Armprothesen beschäftigt – einer Technologie, bei der die Bewegungen der Hände und Finger mithilfe von Gedankenimpulsen über Sensoren gesteuert werden. „Ich habe sofort gut damit umgehen und innerhalb weniger Minuten die Hand auf- und zumachen können“, erinnert er sich. Für einen Alltagseinsatz der Prothese war aber die Amputation der linken Hand nötig, wogegen sich ein halbes Jahr lang die Ethikkommission stellte. „Ihr Argument war, die Hand sei durchblutet und damit am Leben. Dabei war sie gar nicht funktionsfähig, gefühllos und hat auch recht arg ausgesehen.“ Gemeinsam mit seinem Arzt Dr. Oskar Aszmann konnte er die Kommission Ende 2010 schlussendlich doch überzeugen.

Mittlerweile ist Mayrhofer Experte für myoelektrische Prothesen der oberen Extremitäten und arbeitet bei Ottobock, dem Weltmarktführer in diesem Bereich, als Produkttrainer. „Ich schule Orthopädietechniker ein, damit sie für ihre Patienten die Prothesen richtig auswählen und einsetzen.“

Er selbst trägt ein Modell mit dem Namen „Michelangelo“: „Sie ist ein fast 100-prozentiger Ersatz. Vieles passiert schon unbewusst, aber manche Bewegungen wirken immer noch verzögert, weil ich nachdenken muss.“ Daher arbeitet Mayrhofer maßgeblich an der Weiterentwicklung der Technologie mit. Sein Arbeitgeber unterstützt ihn auch bei seiner sportlichen Karriere, etwa mit zwei Wochen Sonderurlaub im Winter. „Dafür bin ich dankbar, denn ohne Beruf würde es sich finanziell nicht ausgehen“, so Mayrhofer, der seit Juni 2016 Vater eines Sohnes ist.

 Ottobock Paralympics Botschafter

Patrick Mayrhofer ist ein "Paralympics Botschafter" von Ottobock.Ottobock unterstützt Athletinnen und Athleten, sowie Teams auf der ganzen Welt, die sich in einer großen Bandbreite an Sportarten und auf unterschiedlichsten Niveaus miteinander messen. Sie teilen alle die Leidenschaft für den paralympischen Sport und engagieren sich gemeinsam dafür, Menschen mit Behinderungen zur Ausübung von Sport und einem aktiven Lebensstil zu bewegen. Mehr dazu unter www.ottobock.com

Paralympic News 2017 

Dieser Beitrag ist auch im Magazin Paralympic News nachzulesen. Das Magazin kann jederzeit kostenlos abonniert werden, dazu einfach ein kurzes Mail mit den Kontaktdaten an office@oepc.at senden und wir schicken Ihnen die aktuelle Ausgabe gerne per Post zu. 

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2015 wurde Patrick Mayrhofer zum Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet. Fotocredit: GEPA-pictures

 

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Patrick Mayrhofers Arbeitgeber Ottobock unterstützt den Snowboarder auch bei seiner sportlichen Karriere. Fotocredit: Ottobock und privat

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