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Es geht weiter mit der Vorstellung der Athletinnen und Athleten des Paralympic Team Austria. Das ist Gernot Morgenfurts Geschichte:

Im Blindflug eine Ski-Piste hinunter. Für die meisten Menschen unvorstellbar, für Gernot Morgenfurt tägliches Brot.

Seit über 30 Jahren leidet der Kärntner an Multipler Sklerose, dadurch auch an einer Sehschwäche. Vor ein paar Jahren setzte er sich dennoch in den Kopf, wettkampfmäßig Skirennen zu bestreiten.

„Ich hatte einige MS-Schübe, bin bereits im Rollstuhl gesessen und habe mich beinhart wieder zurückgearbeitet. Dann habe ich mir das Ziel gesetzt, Ski zu fahren. Ich habe mich körperlich über vier Jahre vorbereitet und bin 2015 eingestiegen“, berichtet Morgenfurt.

Ohne Guide geht nichts

Nach einem Jahr im Austria Cup wagte er den Schritt in den Weltcup, wo der seit 2016/17 aktiv ist. Auch von kleineren Rückschlägen ließ er sich nicht aus der Bahn werfen: „Körperlich gehst du an deine Grenzen, es braucht Gleichgewicht, Kraft und Koordination. Die mentale Stärke und Konzentration brauchst du im Blindensport auch. Ich muss permanent fokussiert sein, nicht nur beim Lauf. Mein Körper hat es bislang ganz gut mitgemacht. Letztes Jahr gab es Probleme, da war es zu viel. Es ist nicht zu unterschätzen. Wenn die Zuseher denken ‚Lieb, die Behinderten‘, ist das falsch. Es ist voller Leistungssport.“

Auch für seinen Guide. Denn alleine geht im Blindensport nichts. Morgenfurt ist auf der Piste stets mit einem zweiten Mann unterwegs: Christoph Gmeiner. „Meine Aufgabe ist es, Gernot eigentlich den ganzen Tag zu betreuen. Vom Frühstück über die Ski-Wahl bis hin zur Lauf-Besichtigung und dann im Rennen“, so Gmeiner.

„In meiner Jugend bin ich Rennen gefahren. Für den Weltcup hätte es nicht gereicht, aber ich hatte eine gute Ski-Ausbildung. Gernot hat mich dann einmal angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einmal mit ihm zu fahren“, schildert der Guide, wie es zur Zusammenarbeit kam. „Von Anfang an hat es gut gepasst, die Harmonie war da. Nach einem Jahr im Austria Cup haben wir beschlossen, den Schritt in den Weltcup zu machen. Das bereue ich nicht. Es ist ein Erlebnis, das man sich erarbeiten muss.“

Starker Start in die Saison

Auf der Piste läuft das Zusammenspiel über gewisse Kommandos. Athlet und Guide sind via Headset verbunden und können in Echtzeit miteinander kommunizieren. „Bei uns ist das häufigste Kommando ‚Hopp‘, nämlich bei jedem Richtungswechsel“, verrät Morgenfurt. Dazu gebe es gewisse andere akustische Signale bei gewissen Passagen wie Übergängen.

Gmeiner legt los, Morgenfurt fährt ihm nach. Dabei gilt es einige Dinge zu beachten. Morgenfurt: „Ich habe noch etwas Sehrest, deswegen ist es wichtig, dass er nicht abreißt. Ich kann mich nämlich an seinem Schatten etwas orientieren.“

So gelingt es dem Mann aus Weißensee, im Blindflug durch den Stangenwald zu rasen. In dieser Saison besonders gut, denn bereits beim ersten Rennen im Kühtai konnte sich Morgenfurt für die Paralympics 2018 in PyeongChang qualifizieren. In Zagreb holte er zuletzt mit Platz 2 sein bestes Weltcup-Ergebnis.

Paralympics als großes Highlight

Die Paralympics in Südkorea sind sein erstes Großereignis. „Das ist schön, dafür arbeitet man. Dass es dann gleich im Kühtai bei den ersten Rennen gepasst hat, ist ein Traum. Ich lasse die Paralympics jetzt auf mich zukommen. Ich habe schon einiges an Lebenserfahrung, das ist jetzt noch einmal eine tolle Sache. Paralympics sind etwas, das du dir beinhart erarbeiten musst. Das kannst du dir nicht kaufen. Wenn wir das umsetzen was wir können, passt es“, brennt er bereits auf die Teilnahme.

Seine Ziele: „Wenn man dort hinfährt, will man kein Nasenbohrer sein. Wir wollen in die Top-5 – und vielleicht sogar überraschen. Wir sind erst seit drei Jahren dabei und haben schon sehr viel erreicht. Wenn man bei den Paralympics dabei ist, will man vorne landen.“

Zunächst steht aber eine intensive Zeit mit mehreren Weltcup-Events auf dem Programm. Dort wollen sich Morgenfurt und Gmeiner ideal auf den Saison-Höhepunkt in PyeongChang vorbereiten: „Wir wollen unsere Form noch verbessern und stabilisieren. Vom Timing her noch können wir noch etwas besser werden. Wir wollen gut und gesund rüberkommen. Die Ergebnisse sind vielleicht gar nicht so wichtig, sondern das Gefühl, dass Schritt für Schritt etwas weitergeht.“

Für Gernot Morgenfurt (re.) und seinen Guide Christoph Gmeiner (li.) sind es die ersten Paralympics. (c) GEPA Pictures

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