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Snowboarder Patrick Mayrhofer ist bei den Paralympics Medaillenanwärter, obwohl er vor einem Jahr noch verletzt war.

Auf dem „Brettl“ fühlt sich Patrick Mayrhofer wohl. Der gebürtige Oberösterreicher fuhr bereits neun Jahre lang begeistert Snowboard, als er 2008 bei der Arbeit einen Stromschlag erlitt. Außerdem wurden bei dem Unfall seine Beinmuskulatur und die Finger der rechten Hand geschädigt. Seine rechte Hand konnte von Chirurgen nach zehn Operationen wiederhergestellt werden, die linke blieb jedoch ohne Nerven und Muskeln und mit nur drei Fingern ohne Funktion.

Nach reiflicher Überlegung entschied sich der Elektrotechniker zu einer Amputation. Zunächst mussten aber etliche Hürden genommen werden. Sein behandelnder Arzt Oskar Aszmann ließ ihn mechatronische Hände ausprobieren. Der Testverlauf stimmte den Chirurgen an der Wiener MedUni optimistisch: „Wir haben Patrick die auf einem Tisch stehende Hybrid-Prothese angepasst, um ihm zu vermitteln, was die Hand für ihn kann.“

Erste bionische Prothese der Welt

Dabei steuern Muskelimpulse die künstliche Hand. Als klar war, dass der Patient mit der bionischen Hand besser zurechtkommen würde, als mit der eigenen, wurde der Amputationswunsch ein Fall für die Ethikkommission. Nach einem Symposium, an dem neben führenden Chirurgen auch Ethiker teilnahmen, gab die Kommission für die Operation grünes Licht.

Der Amputation im Sommer 2010 folgte eine sechswöchige Reha. Dann wurde dem Wiener die weltweit erste bionische Prothese, die von Ottobock stammt, angepasst. „Nach dem Unfall habe ich eineinhalb, zwei Jahre überhaupt keinen Sport gemacht“, erinnert sich Mayrhofer zurück.

Favoritenrolle trotz schwerer Verletzung

Seine Frau hat ihn dazu bewegt, wieder aktiv zu werden: „Sie hat gemeint, ich muss etwas tun. Heute bin ich ihr dafür sehr dankbar.“ Als Mayrhofer mit seiner Firma 2011 eine Prothetik-Messe besuchte, kam er an einem Stand des nationalen Para-Sport-Teams vorbei. Heute ist er nicht nur Teil des Teams, sondern vor allem auch ein wichtiger Vertreter seines Landes.

In PyeongChang steht der Weltmeister und Gesamtweltcupsieger erstmals bei Paralympics am Start: „Die Vorfreude ist riesig. Ich hätte mich auch für Sotschi mehr oder weniger qualifiziert gehabt, aber dann hat das IPC entschieden, kein Event in meiner Klasse auszutragen. Jetzt will ich eine Medaille, ganz klar.“

Mayrhofer ist in der Favoritenrolle, obwohl eine schwere Verletzung ihm fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Erst im Februar 2017 zog er sich einen Schienbeinkopfbruch zu und musste lange pausieren. „Ich darf einfach nicht daran denken. Dann wird es passen.“

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