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Die ÖPC-Spitze zieht Bilanz: Präsidentin Maria Rauch-Kallat und Generalsekretärin Petra Huber im großen PyeongChang-Interview.

Wie fällt die sportliche Bilanz der ÖPC-Spitze für die Winterspiele in PyeongChang aus?

Maria Rauch-Kallat: Sehr erfreulich. Wir haben sieben respektable Medaillen gemacht, mindestens eine in jeder Sportart, in der wir vertreten waren. Darüber hinaus gab es einige vierte Plätze, die zwar nicht sehr beliebt, aber respektable Leistungen sind.

Petra Huber: Bei manchen hat das Quäntchen Glück gefehlt. Aber PyeongChang hat auch gezeigt, dass die Leistungsdichte im Behindertensport mittlerweile sehr, sehr hoch ist. Da ist seit Sotschi wieder ein großer Schritt passiert. Noch mehr Nationen, noch professionellere Trainingsbedingungen und auch viele Zuschauer.

Wie zufrieden waren Sie mit der Organisation?

Huber: Es war perfekt. Im Vorfeld wurde sehr gute Arbeit geleistet, das Organisationskomitee hat versucht alle Wünsche der Athletinnen und Athleten zu erfüllen und trotz der teilweise schwierigen Umstände – mit Regen, Schnee oder Plusgraden – optimale Bedingungen herzustellen.

Abseits der Pisten und Loipen gab es auch mehrere Arbeitstreffen mit hochkarätigen Vertretern von IPC und EPC. Können Sie schon etwas über Ergebnisse verraten?

Huber: Es sind verschiedenste Themen besprochen worden, natürlich auch die nächsten Spiele in Tokio 2020 und Peking 2022 betreffend. IPC-Präsident Andrew Parsons war im Alpenhaus, ebenso die Spitze des Europäischen Paralympischen Committees. Es gibt viele Ideen und klar ist, dass wir die Zukunft mitgestalten wollen.

Rauch-Kallat: Wir nützen die Spiele immer auch, um zu beobachten und zu erfragen, wie andere Nationen arbeiten, welche Entwicklungen es gibt. Spannend war zum Beispiel der Austausch mit den Holländern, die im Talent-Scouting neue Wege gehen und schon in Pyeongchang erste Früchte geerntet haben. Da waren interessante Ansätze dabei.

Huber: Das Snowboarden wird durch die Silberne von Patrick Mayrhofer sicher einen Push bekommen. Und wir hatten ja auch wieder das Jugendcamp für ein paar Tage zu Gast in PyeongChang. Wenn sich die Karrieren dieser Talente so weiterentwickeln wie bisher, werden wir in Peking die eine oder andere hoffentlich am Start sehen.

Welchen Wunsch gibt es an die Politik in Österreich?

Rauch-Kallat: Ausreichend finanzielle Mittel für den Behinderten-Hochleistungssport, damit die Vorbereitung wirklich optimal sein kann. Da hat sich mit dem „Projekt Rio“ schon sehr viel positiv entwickelt, aber auch mit der Öffnung des Bundesheeres für unsere Athletinnen und Athleten. Was wir für die Zukunft brauchen, ist ein noch gezielteres Talent-Scouting für Sommer und Winter.

Huber: In der österreichischen Sportlandschaft hat sich in der jüngeren Vergangenheit sehr viel verändert. Mittlerweile ist der Behindertensport bei den Förderungen auch sehr gut bestückt. Aber natürlich wünschen wir uns noch mehr Unterstützung, damit wir auch in Tokio und Peking wieder vorne dabei sein können.

Gold gab es für das mit Deutschland und der Schweiz betriebene Alpenhaus. Ein Projekt mit Zukunft?

Rauch-Kallat: Wir hoffen es! Das Feedback war sehr, sehr positiv – andere Nationen, zum Beispiel die Benelux-Länder, überlegen in Zukunft etwas Ähnliches zu machen. Es war schön, so viele Medaillen gemeinsam zu feiern – und dennoch war es so, dass jeder Athlet und jede Athletin einen ganz speziellen Moment bekommen hat. Die gemeinsame Freude war sicher ansteckend.

Huber: Aus einer sehr guten Idee ist ein tolles Projekt geworden. Und es ist uns wie schon im Österreich-Haus bei vergangenen Spielen gelungen Gastlichkeit, Kulinarik und Gemütlichkeit zu transportieren. Wir haben auch schon erste Gespräche geführt, wie es weitergehen soll – die anderen Nationen wünschen sich auch eine Fortsetzung.

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