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Nach 30 Jahren im Radsport-Zirkus ist Schluss! Im großen Abschieds-Interview wird Paralympics-Sieger Wolfgang Eibeck ganz persönlich.

Wo Wolfgang Eibeck draufsteht, steckt Erfolg drin. Das galt in den letzten 30 Jahren für Paralympische Spiele genauso wie für Welt- und Europameisterschaften. Nun ist Schluss. Der Stockerauer verabschiedete sich bei der UCI Para-Cycling Weltmeisterschaft in Maniago (ITA) von der großen, der internationalen Rad- und Rennsport-Bühne.

Im großen Abschieds-Interview blickt der Paralympics-Sieger von Atlanta 1996 und Athen 2004 auf seine erfolgreiche Karriere zurück, verrät sein letztes Ziel und spricht über die Faszination Radsport, die ihn seit mehr als 30 Jahren begleitet.

Wolfgang, du hast dich am Wochenende nach 30 Jahren Leistungssport von der internationalen Rad-Bühne verabschiedet. Wie fühlt es sich an?

Wolfgang Eibeck: Es ist alles noch ganz frisch, die Eindrücke der WM, die Emotionen … Ich habe aber schon während der Saison versucht, mich schrittweise darauf einzustellen, dass nach Maniago Schluss ist. Als ich im Straßenrennen durchs Ziel gefahren bin, ist mir jedenfalls eine große Last von den Schultern gefallen.

Wieso das?

Eibeck: Niveau und Leistungsdichte sind in den letzten Jahren immer höher geworden. Ich bin voll berufstätig, das Alter spielt natürlich auch eine Rolle, die Regeneration dauert länger, ich kann das Training nicht mehr so durchziehen wie vielleicht noch vor 5 Jahren. Das war eine neue Situation für mich – auch wenn ich, wenn man meine Trainingswerte von heute mit früher vergleicht, nicht schwächer geworden bin. Und in meiner Klasse fahren mittlerweile Leute mit, die könnten ohne Probleme bei einem Continental-Team fahren.

Du wolltest bei der Weltmeisterschaft noch einmal aufs Stockerl fahren – warum hat es nicht geklappt?

Eibeck: Wir müssen es noch analysieren, warum es mit dem Formaufbau nicht so geklappt hat. Aber ich konnte heuer schon das ganze Jahr über nicht die Leistung abrufen, die ich mir gewünscht hatte. Ich bin zwar vor der WM wieder in Form gekommen, aber wenn du um Medaillen mitfahren möchtest – und das war immer mein Ziel, weil 4. Plätze haben mich nie interessiert – musst du in Top-Form sein. Sonst hat man keine Chance.

Bei der WM konnten neue Gesichter ins Rampenlicht fahren, zum Beispiel Elias Wendlinger mit zwei vierten Plätzen. Wie sehr freut dich das, dass es vielleicht den einen oder anderen Nachfolger gibt?

Eibeck: Das ist gut und wichtig für den Para-Radsport in Österreich. Ich hoffe auch, dass er sich noch weiter steigern kann. Das wird wichtig für die Startplätze bei den Paralympischen Spiele in Tokio, da geht es um jeden Punkt. Deshalb wäre es wichtig, dass wir auch in den C-Klassen wieder ein paar Sportlerinnen und Sportler zum Rennsport bringen, denn dort fehlen uns wichtige Punkte – auch für die Medaillenkandidaten.

Maniago war dein letztes Großereignis – aber ganz ohne Rennsport geht dann doch noch nicht, oder?

Eibeck: Ich habe jetzt 30 Jahre dem Sport alles untergeordnet, habe versucht, meinen Sport so zu betreiben, wie ich mir das vorstelle. Das ist mir über weite Strecken ganz gut gelungen. Jetzt werde ich einen Gang zurückschalten, im Training, bei der Verbissenheit, mehr auf mein Gefühl hören. Aber ein großes Ziel habe ich noch.

Nämlich?

Eibeck: Den King of the Lake am Attersee. Ein tolles Rennen – und ich bin letztes Jahr dort sehr gut gefahren. Das möchte ich gerne wiederholen. Die Weltmeisterschaft ist vielleicht ein bisschen zu früh für mich gekommen, jetzt hoffe ich, dass ich die paar Wochen bis zum King of the Lake durchziehen kann.

Was bleibt für dich – neben unzähligen Medaillen bei Paralympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften – für dich von deiner einzigartigen Karriere?

Eibeck: Natürlich macht es mich stolz, dass ich über einen so langen Zeitraum so erfolgreich war. Dass ich Sport, Beruf und Familie unter einen Hut gebracht habe. Dass ich durch meinen Sport die Welt sehen konnte. Dass sich Freundschaften gebildet haben, die auch nach meiner Karriere bestehen bleiben. Und es hat mir immer Spaß gemacht.

Man spricht ja nicht umsonst von der Faszination Radsport?

Eibeck: Es ist toll, was man alles sieht, wenn man auf dem Rad sitzt. Man ist in der Natur unterwegs, mal alleine, mal in der Gruppe. Und wenn ich mit dem Zeitfahrrad noch ein paar Stundenkilometer mehr auf den Tacho gebracht habe, war das umso schöner. Aber wenn der Kopf unten ist, hat man weniger Blick für die Landschaft (lacht). Aber die Geschwindigkeit hat natürlich auch einen großen Teil der Faszination für mich ausgemacht.

Und die Paralympischen Spiele, du hast immerhin sieben Mal teilgenommen und sieben Medaillen gewonnen?

Eibeck: Für mich waren die Paralympics immer das Highlight. Darauf habe ich hingearbeitet, dort wollte ich der Beste sein. Ich habe auch immer in Vier-Jahres-Zyklen gedacht. Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, alles gut und schön, aber in meinem Kopf hat sich immer alles um die Paralympics gedreht.

Die ja während deiner Karriere eine enorme Entwicklung erlebt haben, oder?

Eibeck: Barcelona 1992 waren meine ersten Spiele – seit damals ist viel passiert. Sei es die gemeinsam Einkleidung mit der Olympia-Mannschaft – das hat mich zu Beginn meiner Karriere extrem gestört, dass wir belächelt und abgespeist wurden -, das Österreich-Haus oder die mediale Aufmerksamkeit. Das waren alles große Schritte für die Entwicklung des Behindertensports in Österreich. Der Weg stimmt, aber wenn man zum Beispiel zu unseren deutschen Nachbarn schaut, dann ist es schon gewaltig, was da los ist.

Abschließend: Welchen Tipp hast du für deine Nachfolger? Was braucht es, um im Para-Radsport erfolgreich zu sein?

Eibeck: Grundsätzlich muss jeder Sportler und jede Sportlerin seinen oder ihren Weg finden. Aber klar ist: Ohne Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und einer gewissen Verbissenheit geht es heute nicht mehr. Man muss professionell arbeiten, vom Trainer über das Material bis zum Athleten selbst. Und man muss den Sport ernst nehmen. Es ist nicht mehr so wie früher, wo ein bisschen trainieren vielleicht schon für die vorderen Plätze gereicht hat.

Wir danken für das Gespräch.

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