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Nach dem ersten von zwei TALENT DAYS 2019 spricht Paralympicssieger und Stargast Heinrich Popow über Antrieb, Erfahrungen und Pläne.

Heinrich Popow hat alles gewonnen, was es im Para-Sport zu gewinnen gibt. Er ist mehrfacher Paralympics-Sieger, mehrfacher Welt- und Europameister mit insgesamt 29 Medaillen sowie Weltrekordler im 100-Meter-Sprint und im Weitsprung.

Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen und kam persönlich zu den TALENT DAYS im BSFZ Südstadt. Die Begeisterung bei den TeilnehmerInnen kannte keine Grenzen, alle holten sich Tipps und Tricks von 35-jährigen Deutschen. Zahlreiche Autogrammwünsche wurden erfüllt.

Auch beim zweiten Termin in Salzburg (2. Juli) wird der ottobock-Botschafter dabei sein. Nach der erfolgreichen Premiere des Pionierprojekts TALENT DAYS haben wir Heinrich Popow zum Interview gebeten.

Der erste von zwei TALENT DAYS 2019 liegt hinter uns. Wie lautet dein Fazit?

Henrich Popow: Es war ein sehr schöner Tag. Die Kombination aus Kindern mit Behinderung plus welchen aus Sportschulen, die sich mit dem Thema beschäftigen, war stimmig. Es waren sehr viele Leute anwesend, die dafür sorgen können, dass das Thema „Behinderung“ in der Gesellschaft zur Normalität wird. Deswegen war es für mich ein rundum gelungener Tag. Auch die Eltern sind dank des Inputs glücklich nach Hause gegangen.

Warum ist es dir so wichtig, deine Erfahrung weiterzugeben und mit Kindern zu arbeiten?

Popow: Wenn du in der Gesellschaft stehst und durch einen gewissen Erfolg eine gewisse Reichweite oder Popularität erlangst, hast du auch eine Verantwortung zu tragen. Vorbildfunktion bedeutet nicht, sich einfach hinzustellen und groß zu reden. Man muss es auch in Taten umsetzen. Meine Eltern haben mir zum Zeitpunkt meines größten Erfolges immer gesagt, ich soll nicht vergessen wo ich herkomme. Und in dieser Zeit war es damals nicht einfach, man musste sich alles selbst basteln. Ich war alleine und konnte niemanden fragen, das war frustrierend. Der Sport hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Jetzt will ich etwas zurückgeben. Wenn man Dinge teilt, vervielfachen sie sich. Es treibt mich an, motiviert mich und gibt mir viel zurück.

Deine Tätigkeit bei ottobock ist sehr umfangreich, wie kam es überhaupt dazu?

Popow: Ab 2007 habe ich schon mit ottobock zusammengearbeitet und war Botschafter, seit Anfang 2019 bin ich angestellt. Ich habe schon zu meiner aktiven Zeit die Sorgen der Sportler ins Unternehmen gebracht. Das Ergebnis sehen wir an den modernsten Sportprothesen. Auch bei den TALENT DAYS sind diese im Einsatz. Früher gab es sie in dieser Form nicht. Die Anstellung war der nächste Schritt. Ich will auch Dinge aus dem Alltag ins Unternehmen zu bringen. Ich will so etwas wie das Bindeglied zwischen Menschen, die die Prothesen nutzen, und jenen aus dem Unternehmen, die sie entwickeln, sein. Ich will eine gemeinsame Sprache sprechen, weil Orthopädietechniker manchmal sehr technisch unterwegs sind. Ich versuche zu vermitteln und bin eine Schnittstelle, das macht mir viel Spaß.

Das war noch nicht alles, du bist ja auf der ganzen Welt unterwegs…

Popow: Zu den beschriebenen Aufgaben bin ich auch Botschafter und bei diversen Veranstaltungen dabei. Ich war vor kurzem in China, dann in Deutschland. Es geht weiter nach Russland, dann zum zweiten TALENT DAYS nach Salzburg. Japan, Mexiko, Dubai stehen in diesem Jahr noch auf dem Programm. Ich will auf der ganzen Welt die Lebensqualität für Menschen mit Behinderung verbessern. Sport ist für mich Leben, fitte Menschen sind gesunde Menschen. Sport ist sehr wichtig für Menschen mit Behinderung, um sich auch im Alltag wohl zu fühlen. Das Schöne ist: Der Sport kennt keine Sprache. Er macht auch keinen Unterschied, ob du zwei Beine hast oder eines. Sport gibt so viel, schüttet Hormone aus und kreiert Emotionen.

Bleibt noch Zeit, den paralympischen Sport zu verfolgen?

Popow: Ich bin in Leverkusen zum Sportler gereift und oft dort unterwegs. Deutsche Sportler auf Sportprothesen sind sehr stark und in fast allen Sprintdisziplinen Weltrekordhalter. Sie vertrauen auf meine Expertise und somit auf die von ottobock. Leon Schäfer, der in meiner Klasse meine Nachfolge angetreten hat und bereits Weltmeister ist, baue ich die Prothese. Für Weltrekordhalter und Paralympicssieger Johannes Floors bereite ich gerade eine vor, dazu kommt das japanische Nationalteam. Sportler aus den USA unterstütze ich ebenfalls, ich tausche mich generell mit vielen Athletinnen und Athleten aus. Die Verbindung zur paralympischen Szene will ich niemals aufgeben. Das ist ein eingeschworener Haufen. Ich bin gerne in der Paralympics-Familie und bleibe dort.

Das heißt, wie sehen dich bei den Paralympics 2020 in Tokio?

Popow: Zu hundert Prozent. Nein, zu tausend Prozent! (lacht)

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